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Wie alles begann

Firmengründer Rafael Stahl und eine Rundwirkmaschine von 1893

Die Geschichte der R. STAHL Unternehmensgruppe beginnt am 1. August 1876. Der Firmengründer Rafael Stahl startet seine unternehmerische Tätigkeit mit der Gründung der mechanischen Werkstatt „Stahl und Weineck“ vor den Toren Stuttgarts. Die ersten Produkte gehören in den Bereich der Textilindustrie und reichen vom Bügeleisen amerikanischer Bauart bis zu Rundwirkmaschinen für die Herstellung von Trikotstoffen.

Mit unterschiedlichen Partnern werden die schwierigen Gründerjahre bewältigt, bis das Unternehmen als R. STAHL Rundstuhlfabrik ab Mitte der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts von Rafael Stahl alleine geführt wird. Das Unternehmen entwickelt sich. Die Rundwirkmaschinen werden technisch verbessert und auch schon im Ausland vermarktet. Es entstehen Rundwirkmaschinen mit damals sensationellem elektrischem Einzelantrieb, für die auf der internationalen Ausstellung in Teplitz 1895 eine goldene Medaille verliehen wird.

Die inzwischen in Maschinenfabrik R. STAHL umbenannte Firma liefert alle Einrichtungen, die für eine komplette Trikotagenfabrik benötigt werden, wie Rundwirkmaschinen, Wasch- und Walkmaschinen, Zentrifugen, Roll- und Spannmaschinen, Pressen und Nähmaschinen. Der Zeitgeist und die Mode bringen es mit sich, dass die Damen den Spaß an Trikotstoffen verlieren und damit auch der Bedarf an entsprechenden Investitionsgütern drastisch zurückgeht.

Das Zeitalter der Fördertechnik

Druckschrift über Elektrozüge von 1932

In die Maschinenfabrik R. STAHL sind inzwischen die Söhne des Gründers eingetreten, es werden neue Ideen verwirklicht und 1893 der erste Aufzug konstruiert und gebaut. Damit beginnt das Zeitalter der Fördertechnik im Unternehmen. Die zweite Familien-Generation baut das Geschäft mit Aufzügen, Elektroflaschenzügen und Kranen erfolgreich aus. Seit 1908 werden Personenpaternoster ins Programm genommen und die erste Anlage im Graf-Eberhard-Bau in Stuttgart eingebaut.

Der erste Weltkrieg ist ein gravierender Einschnitt in der Firmengeschichte und es bedarf außerordentlicher Anstrengungen, den Krieg und die Nachkriegswirren zu überstehen. Sehr hilfreich sind in dieser Zeit Aufträge aus der deutschen Großchemie und der Reichsbahn, für die Bahnsteigaufzüge nach dem für R. STAHL patentierten Stützkettenprinzip geliefert werden.

Ab 1921 beschäftigt sich das Unternehmen mit dem Thema Explosionsschutz elektrischer Betriebsmittel, da fördertechnische Anlagen an die deutsche Großchemie entsprechend ausgerüstet werden müssen.

In glänzender Situation kann die Firma 1926 ihr 50jähriges Jubiläum feiern. Unter der folgenden schweren Weltwirtschaftskrise leidet auch das Unternehmen R. STAHL. Es müssen zum ersten Mal in der Geschichte Mitarbeiter entlassen werden. Ab Mitte der 30er Jahre verbessert sich die Lage. Es werden Krane bis 100 t Tragkraft gebaut, Aufzug- und Elektrozugbau sind gut ausgelastet.

Mit dem zweiten Weltkrieg beginnen schwierige Jahre, die von den Enkeln des Gründers mit viel Einsatz gemeistert werden. In diese Zeit – Anfang 1944 – fällt auch die Verlagerung des Elektrozugbaus von Stuttgart nach Künzelsau.

Neubeginn und Wachstum

Erste Druckschriften über explosionsgeschützte Schaltgeräte 1956

Nach dem Krieg beginnt der Ausbau des Unternehmens in bisher nicht gekanntem Tempo. Alle Produkte werden überarbeitet bzw. neu entwickelt. Auch neue explosionsgeschützte Schaltgeräte für Aufzuganlagen entstehen, die nach einem vollkommen neuartigen Prinzip konstruiert sind.

Dies ist der Beginn einer außerordentlichen Erfolgsgeschichte. Innovationsschritte im Aufzugbau wie schlosslose Aufzugtüren, Sammelsteuerung und Automatisierung von Aufzügen werden realisiert. Der erste Selbstfahreraufzug mit geregeltem Gleichstromantrieb entsteht und wird in ein Frankfurter Bankgebäude eingebaut. In den folgenden Jahren entwickelt sich R. STAHL zum größten deutschen Aufzugbauer und zu einem der führenden Unternehmen für Seil- und Kettenzüge, betritt mit bahnbrechenden Entwicklungen den Markt für explosionsgeschützte elektrische Betriebsmittel und steigt auch in diesem Bereich rasch zu einem der Marktführer auf.

R. STAHL lieferte die Aufzüge für die abgebildeten Bauwerke.

Der Vertrieb wird national und vor allem international aufgebaut, und immer wieder gelingen technische Meisterleistungen. So entsteht 1950 der Elektrokettenzug mit Rundgliederkette bei R. STAHL, 1952 eine neue Seilzug-Generation, 1956 der schnellste Aufzug Europas für den Messeturm in Hannover und neuartige explosionsgeschützte Steuerungen.

1965 fusionieren die Unternehmen R. STAHL und A. Zaiser. Zaiser, ebenfalls ein Stuttgarter Unternehmen mit langer Tradition, wurde 1879 von Louis Adolf Zaiser gegründet und bringt in die Fusion ein Aufzuggeschäft und vor allem das Fahrtreppengeschäft ein.

Die Ausdehnung des Geschäftsvolumens des Aufzugbaus sprengt Ende der 60er Jahre zunehmend den Rahmen der Familiengesellschaft und zwingt die Firma 1969 zu der Entscheidung, entweder den Weg der Aufzugabteilung entschieden einzuengen oder einen Partner zu suchen. So verlässt 1970 der Aufzugbau den Bereich des Unternehmens und geht an Rheinstahl über. Das zurückgewonnene Kapital kann zum weiteren Ausbau der zukunftsträchtigen verbleibenden Aktivitäten eingesetzt werden.

R. STAHL heute

Ende der 70er Jahre folgt das Unternehmen dem Trend der Diversifizierung und erwirbt die Staehle Maschinenbau GmbH mit Sitz in Leinfelden-Echterdingen, die zehn Jahre später in R. STAHL Blasformtechnik umbenannt wurde. Die Tochtergesellschaft prägt den Markennamen Hesta und entwickelt sich gut. 1998 fiel die Entscheidung, einen Partner für das Blasformgeschäft zu finden, der ihm unter Produkt- und Marktgesichtspunkten eine besserer Zukunft bieten konnte. So wurde der Produktbereich an die amerikanische Graham Engineering Corp. abgegeben.

Anfang der 80er Jahre fand die Ausgliederung der operativen Geschäftsbereiche in Tochtergesellschaften statt, denen mit dieser Entscheidung deutlich größere Freiräume eingeräumt wurden.

Um das weiter geplante und realisierte Wachstum sicher zu finanzieren entschied sich das seit 1993 als Aktiengesellschaft firmierte Unternehmen 1997 für den Gang an die Börse. Die Aktie notiert im geregeltem Markt und gehört zum Prime Standard.

Im Dezember 1998 übernimmt R. STAHL das Essener Beratungsunternehmen Mühling und Partner, führt es mit den eigenen IT-Aktivitäten zusammen und gibt ihm den Namen altro consult GmbH.

 

Nachdem der Konzern 2001 in die Verlustzone rutschte, startet der Vorstand ein umfangreiches Restrukturierungsprogramm. Planmäßig nach zwei Jahren schreibt das Unternehmen wieder schwarze Zahlen. Es folgt die strategische Neuausrichtung des Unternehmensbereichs Fördertechnik. Nicht mehr Standardkrane waren im Fokus sondern kundenspezifische Sonderprojekte, bei denen R. STAHL sein ganzes Engineering-Know how zum Einsatz bringen kann. Der Erfolg stellt sich schneller ein als erwartet.  

In dieser Marktnische erfolgreich positioniert, wird der Marktführer KCI KoneCranes auf die R. STAHL Fördertechnik aufmerksam. In einem deutlich größeren Unternehmen, das mit STAHL Fördertechnik ein neues Standbein am Markt aufbauen will, stellen sich die Entwicklungsmöglichkeiten für diesen Bereich mittelfristig besser dar. Ende 2005 wird der Unternehmensbereich Fördertechnik daraufhin an die finnische KCI KoneCranes verkauft. R. STAHL erhält die Mittel, sich auf das margenstärkere Geschäft der Sicherheitstechnologie zu konzentrieren und dieses weiter auszubauen.