Das Gjøa Feld im norwegischen Teil der Nordsee
Die Erschließung neuer Öl- und Gasvorkommen
von Gunnar Steffensen
Das Gjøa Gas- und Ölfeld, das bereits 1989 entdeckt wurde, liegt in den Blöcken 35/9 und 36/7 im nördlichen Teil der Nordsee vor der Küste Norwegens. Auf Grund der 1989 begonnenen Exploration werden Reserven von 82 Millionen Barrel Öl und 40 Milliarden m3 Gas vermutet. Der Betreiber des Gjøa Felds ist Statoil. Das Gesamtinvestment für dieses Feld wird auf 29 Milliarden norwegische Kronen (in Euro 3,7 Mrd.) geschätzt. In 2009 wurde zur Erschließung des Feldes durch Transocean Offshore mit der ersten Bohrung von insgesamt zunächst 11 geplanten Bohrlöchern begonnen.
Die Gjøa Produktionsplattform
Das Unternehmen Aker Solution erhielt 2006 den Aufrag zum Bau der Gjøa Plattform, mit der das Feld erschlossen werden soll. Die Arbeiten begannen 2007. Die Module wurden bei Aker Egersund, Apply Leirvik, Aker Stord und in einer Werft in Korea gebaut. Aker Solution war verantwortlich für den Zusammenbau der Plattform (EPC-Vertrag). 2010 wurde die Plattform fertiggestellt und von Aker Stord zu ihrem Bestimmungsort 80 km entfernt von der Küste vor dem Sogneford geschleppt (Bild 1). Die Meerestiefe am Standort beträgt 360 – 380 Meter. Eine Vielzahl von Unternehmen war an der Fertigstellung beteiligt, so auch Stahl-Syberg, verantwortlich für die Lieferung verschiedener explosionsgeschützter elektrischer Betriebsmittel und Baugruppen. Die schwimmende Plattform ist ein sogenannter Halbtaucher. Sie ist mit fünf auf dem Meeresboden montierten Bohrloch-Anschlussstationen verbunden. Hinzu kommen weitere Anschlüsse an Bohrlöcher im benachbarten Vega Feld. Das Deck ist 110 Meter lang und 85 Meter breit, somit größer als ein Fußballfeld. Der höchste Punkt über Meeresniveau mit 143 Metern ist der Fackelmast. Das Gesamtgewicht beträgt 22.000 Tonnen; die aus dem Wasser ragenden Teile wiegen 15.000 Tonnen. Die Nutzfläche beträgt 3.600 m2, der Wohnbereich umfasst 100 Betten. Mit dem Anlaufen der Förderung wird die Plattform von Gaz de France Suez betrieben. Das Gas wird dann über eine 130 km lange Leitung, die britische Pipeline Flags, nach St. Fergus in Schottland transportiert, während das Öl über eine 55 km lange Leitung zur Troll II Pipeline und dann weiter zur Raffinerie in Mongstad, nördlich von Bergen gelegen, fließt.
Energieversorgung
Um den CO2 Ausstoß so gering wie möglich zu halten, wird die Plattform über ein in der See verlegtes 100 km langes Starkstromkabel von Mongstad aus mit elektrischer Energie versorgt. So werden keine Gasturbinen und Hilfssysteme benötigt. Batterien und USV Anlagen sind für den Notfall (Stromausfall) vorhanden. Man rechnet hierdurch für das Gjøa Feld mit einer Reduzierung des CO2 Ausstoßes von 250.000 Tonnen pro Jahr.
Elektrische Ausrüstung
Auf Grund der langjährigen Erfahrungen bei Lieferungen von explosionsgeschützten elektrischen Betriebsmitteln für die Offshore Öl- und Gasindustrie wurde Stahl-Syberg als einziger Lieferant für bestimmte elektrische Ausrüstung, wie Leuchten, Klemmenkästen bestückt mit Reihenklemmen, Steckdosen, Schaltern, Verteilungen und Kabeleinführungen ausgewählt. Die Beleuchtungsanlage besteht aus mehreren tausend Leuchten, die teilweise über ein batteriegestütztes Notlichtsystem bei Stromausfall versorgt werden können (Bild 2). Ein Teil der anderen Produkte wurde anstatt in Edelstahl auch in Formstoffgehäusen (GFP bzw. Polycarbonat) geliefert. Dieses hat mehrere Vorteile beim Gewicht, bei der Montage und der Wartung. Bei einem Projekt dieser Größe wie die Gjøa Plattform ist Aker Solution auf die rechtzeitige Lieferung durch alle Beteiligten angewiesen. Wenn ein Teil verspätet geliefert wird, kann dieses den Fortgang des gesamten Projektes beeinflussen. Stahl-Syberg besitzt ausgezeichnete logistische Abläufe, um z.B. Klemmenkästen, deren Spezifikationen oft erst auf der Baustelle kurzfristig festgelegt werden, in der geforderten Zeit sicher und korrekt zu liefern. ›Das Projekt lief reibungslos und die Fristen für die Lieferung der elektrischen Geräte wurden eingehalten‹ sagt Jon Sletthagen, zuständig für die elektrische Ausrüstung bei Aker Solution.
Steuerungssystem mit Remote I/O
Das Steuerungssystem wurde von Kongsberg Maritim geliefert. Die Verbindung des Steuerungssystems zu den Feldgeräten in den Bereichen Verarbeitung, Steigleitung und Versorgungseinrichtung wurde nicht über Einzelverdrahtung realisiert, sondern über das Remote I/O System von R. STAHL. Die Feldgeräte, die z.B. Füllstände in den Tanks oder den Druck in den Rohrleitungen erfassen, werden über kurze Verbindungen zu einem Schaltschrank vor Ort geführt und an das eingebaute explosionsgeschützte Remote I/O System angeschlossen. Die einlaufenden Daten werden digitalisiert und seriell weitergeleitet. Die Kommunikation zwischen Remote I/O und dem Steuerungssystem erfolgt über einen Profibus. Ingunn Kongelf Jensen, verantwortlich für die Technik des Steuerungssystems, meint: ›Der Vorteil liegt darin, dass nur ein Kabel zwischen den Feldstationen und dem Netzknoten des Steuerungssystems anstelle von vielen mehradrigen Leitungen verlegt wird. Weniger Kabel, Kabelpritschen und Kabelbrücken bedeutet weniger Gewicht, weniger Aufwand für die Inbetriebnahme, weniger Fehlersuche, da die einzelnen Signale über Software den Messpunkten zugeordnet werden können. Die Vorteile sind Einsparungen beim benötigten Platz, einfachere Montage, weniger Wartungsaufwand und einfachere nachträgliche Änderungen im Betrieb, insgesamt also eine deutliche Kosteneinsparung.‹
Das Gjøa Projekt – ein Meilenstein
Das Gjøa Projekt ist für Stahl-Syberg ein wichtiger Meilenstein zum Nachweis seiner Kompetenz als Partner der Offshore Industrie in Norwegen. ›Es zeigt, dass wir in der Lage sind, eine vollständige Produktpalette explosionsgeschützter elektrischer Betriebsmittel liefern und optimale Lösungen für explosionsgefährdete Bereiche anbieten können. Für uns ist dies eine wichtige Referenz für zukünftige neue Projekte‹, sagt abschließend Gunnar Steffensen, verantwortlicher Leiter bei Stahl-Syberg.

