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Zertifizierte Ex-Kompetenz

Das neue IECEx Scheme für ›Certification of Personnel Competencies‹
von Thorsten Arnhold

Bild 1: IECEx Cert Persons Scheme/Überblick

Die Gewährleistung der Sicherheit von Prozessanlagen zum Schutz von Gesundheit und Leben der darin beschäftigten Mitarbeiter gehört zu den ureigensten Anliegen der Betreiber derartiger Anlagen sowie der zuständigen staatlichen Regulierungs- und Überwachungsbehörden. Im Interesse des wirtschaftlichen Erfolges sind die Betreiber weiterhin an zuverlässig laufenden Prozessen mit minimalen Störungen interessiert. Eine bedeutende Rolle zur Erfüllung dieser Anforderungen kommt dabei der richtigen Auswahl geeigneter Betriebsmittel, ihr sicherer und zuverlässiger Betrieb während der gesamten Anlagenlebensdauer sowie der richtigen Behandlung und Bedienung durch qualifiziertes und erfahrenes Personal zu. 
In der Prozessindustrie, wo große Mengen brennbarer Flüssigkeiten und Stäube tagtäglich gehandhabt werden, besitzt der Explosionsschutz einen großen Stellenwert im gesamten Sicherheitskonzept. Im Zuge der internationalen Harmonisierung der Normungs- und Zertifizierungstätigkeiten wurde Mitte der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts das weltweit angelegte Zertifizierungsschema IECEx Scheme ins Leben gerufen. Nach den üblichen Geburtswehen entwickelte sich die Organisation, die ursprünglich ausschließlich auf die Zertifizierung der Übereinstimmung der Beschaffenheit explosionsgeschützter Betriebsmittel mit den Anforderungen der einschlägigen IEC-Normen angelegt war, schnell und stetig. 
Nachdem das Schema gegen 2004 eine weltweite Akzeptanz erreicht hatte, erweiterte man es mit beachtlichem Erfolg um die Zertifizierung spezieller Wartungs- und Reparaturdienstleistungen. Das 2007 gestartete IECEx Service Facility Scheme hat mittlerweile 57 zertifizierte Reparaturwerkstätten erfasst. Dieser Entwicklung lag der Gedanke zugrunde, dass es für die Sicherheit einer Anlage, die eine erwartete Lebensdauer von bis zu 35 Jahren hat, nicht ausreicht, nur Neuprodukte zu zertifizieren und deren korrekte Herstellung zu überwachen, sondern dass man auch während der Betriebsdauer die Produkte fachgerecht überprüfen, warten und reparieren muss. Und da man als Betreiber die dazu notwendigen Fachwerkstätten längst nicht mehr selber unterhalten will, muss man sich auf qualifizierte Fachwerkstätten verlassen können. Logischerweise kommt jetzt der nächste Schritt: Die Sicherheit in den Anlagen und die richtige Ausführung von Reparaturen in zertifizierten Werkstätten hängen hauptsächlich von der Qualifikation und Erfahrung der dort tätigen Mitarbeiter ab. Daher war es naheliegend, nach der erfolgreichen Einführung des Zertifizierungssystems IECEx Service Facility Scheme ein weiteres Scheme zur Zertifizierung von Fachpersonen einzuführen. Auf der jährlichen Tagung des Management Committees (MC) von IEC Ex 2008 in Denver wurde der Startschuss für die verantwortliche Arbeitsgruppe erteilt, 2009 lagen auf der Tagung in Melbourne die ersten Entwürfe für die Arbeitsdokumente vor und auf der Sitzung 2010 in Berlin konnte das neue Scheme freigegeben werden.

Aufbau des IECEx Scheme für ›Cerification of Personnel Competencies‹

Tabelle 1: Kompetenzeinheiten gemäß OD 504

Das IECEx Scheme für ›Cerification of Personnel Competencies for Explosive Atmospheres‹ wird durch 5 grundlegende Dokumente beschrieben, die der interessierte Leser kostenlos von der IEXEx-Homepage (www.iecex.com) herunterladen kann. ›IECEx 05: Rules of Procedures‹ ist dabei das Basisdokument, welches das neue Scheme übersichtlich beschreibt und den Zusammenhang zum übergeordneten IECEx-System herstellt. 
Das Operation Document OD 501 regelt die Zulassungsverfahren und -voraussetzungen von Prüfstellen als Zertifizierer unter dem neuen IEC Ex Scheme. 
OD 502 beschreibt, welche Informationen und Dokumente ein Antragsteller bei der Zertifizierungsstelle vorlegen muss, wenn er die Zertifizierung seiner persönlichen Kompetenzen beantragt. OD 503 umfasst alle Verfahren und Regelungen, die eine Zertifizierungsstelle im Rahmen des Zertifizierungsverfahrens beachten und einhalten muss. 
Für die interessierten Fachleute, die sich zertifizieren lassen wollen, ist das OD 504 sicherlich am interessantesten: in diesem Dokument werden sogenannte Kompetenzeinheiten (Units of Competence) definiert, für die man die Zertifizierung seiner persönlichen fachlichen Eignung beantragen kann. In Tabelle 1 sind diese Kompetenzeinheiten übersichtlich dargestellt. Mit dieser Struktur wird der Tatsache Rechnung getragen, dass die wenigsten Mitarbeiter das komplette Feld des Explosionsschutzes beherrschen und somit auch eine Spezialisierung widergespiegelt werden muss. Diese Spezialisierung bezieht sich zum einen auf die in den Kompetenzeinheiten festgelegten Tätigkeitsinhalte, kann sich aber auch auf einzelne Zündschutzarten und Zonen beschränken.

Tabelle 2: Das IECEx System mit seinen Inhalten

Beispielweise kann man ein Zertifikat für Kompetenzen für die Installation eigensicherer Stromkreise in der Zone 2 erhalten. Diese Gültigkeitsbereiche der Zertifikate sind dann in den persönlichen Dokumenten, wie Ausweis oder Eintrag in der IECEx-Datenbank, genau beschrieben. 
Im genannten Beispiel würde der Mitarbeiter also nach Kompetenzeinheit 03 (Unit of Competence 03) zertifiziert. In OD 504 sind dazu präzise die Arbeitsumfänge und Anforderungen zur Zertifikatserteilung beschrieben. Zu den Arbeitsumfängen heißt es, dass der Antragsteller in der Lage sein muss, die für die Anwendung geeignete elektrische Ausrüstung auszuwählen, die Arbeit sicher und genau auszuführen, die einschlägigen Installationsnormen (insbesondere IEC 60079-14) zu kennen und anzuwenden sowie die notwendige Dokumentation der Arbeit vornehmen zu können. 
Als Voraussetzung wird eine ausreichende technische Ausbildung, wie z.B. ein Fachschulabschluss sowie eine mindestens 3-jährige Berufserfahrung in der elektrischen Installationstechnik gefordert. Weiterhin werden pro ›Unit‹ die kritischen Arbeitsinhalte beschrieben, auf die während der Prüfung besonders geachtet werden muss. Nach Prüfung der Unterlagen erfolgt schließlich die Kompetenzermittlung des Kandidaten durch die Prüfstelle gemäß OD 503. Diese hat unter praxisnahen Umständen und unter Aufsicht eines Assessors der Zertifizierungsstelle zu erfolgen. Die Ermittlung des erforderlichen Wissens kann erfolgen durch: 

  • Schriftliche oder mündliche Tests 
  • praktische Tests oder 
  • Interviews.

Weiterhin muss sich der Assessor ein Bild der kompetenten Arbeitsausführung durch den Antragsteller machen. Dies kann am eigenen Arbeitsplatz oder in einer Prüfungswerkstatt geschehen. 
Bild 1 gibt einen Überblick über das gesamte Verfahren. Die Zertifikate müssen alle 18 Monate bestätigt und alle 3 Jahre erneuert werden. Dabei belaufen sich die reinen Zertifikatskosten für Neuzertifikate auf 250 und für Zertifikatserneuerungen auf 200 Schweizer Franken. 
Jede zertifizierte Person erhält einen Ausweis mit der Angabe der Gültigkeitsdauer und der zertifizierten Units of Competence. Gleichzeitig erfolgt ein Eintrag in die Online-Zertifikatsdatenbank. Damit sind zertifizierte Fachkräfte für explosionsgefährdete Bereiche weltweit einfach zu identifizieren.

Fazit

Schaut man sich die Tabelle an, so erkennt man, dass inzwischen für das Certified Equipment Scheme 37 Zertifizierungsstellen und 42 Prüfstellen existieren. Diese haben bisher fast 16.000 Zertifikate erstellt. Eine ähnliche Entwicklung scheint das IECEx Service Facility Scheme zu nehmen. Hier sind nach drei Jahren bereits 57 Reparaturwerkstätten zertifiziert. 
Man kann sicher davon ausgehen, dass das neue IECEx Personnel Competency Scheme ebenfalls eine sehr positive Entwicklung nehmen wird. Besonders die dramatischen Vorfälle im Golf von Mexico und im Atomkraftwerk von Fukushima machen deutlich, wie sehr die Anlagensicherheit von der Kompetenz und Erfahrung der Mitarbeiter abhängt. Eine objektive und fachgerechte Bewertung dieser Kompetenz erleichtert die Arbeit der Anlagenbetreiber deutlich bei der richtigen Auswahl des Personals.